Ricardo Schwarz - Auftragsmalerei - Kreativworkshops & Originalkunst vom Künstler
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Das Gefühl, es dir selbst nie recht machen zu können?

Manchmal ist der Anspruch an uns selbst wie ein kleiner, gemeiner Giftzwerg.
Er sitzt irgendwo auf der Schulter, flüstert ständig: „Da geht doch noch mehr. Du könntest produktiver sein. Warum bist du nicht weiter?“

Ich kenne diesen Giftzwerg leider ziemlich gut.
Und das, obwohl ich in meinen Kursen immer wieder genau das Gegenteil predige: den Anspruch loslassen, ins Tun kommen, den kreativen Flow genießen. Ironisch, oder?

Eine neue Zeitrechnung – nach Corona

Die letzten Jahre – vor allem die Zeit nach Corona – fühlen sich für mich tatsächlich wie eine eigene Zeitrechnung an.
Ich habe viel an meiner Arbeitsrealität verändert, Abläufe neu sortiert, Schwerpunkte verschoben. Und nach und nach durfte (oder musste) ich feststellen: Das alles hat spürbare Auswirkungen auf meine eigene künstlerische Arbeit.

Vor Corona – und auch währenddessen – war ich ein ziemlich produktiver Maler. In manchen Jahren sind bis zu zehn fertige Werke entstanden.
Heute bin ich ehrlich gesagt froh, wenn ich ein richtig gutes Bild im Monat fertigstelle.

Bin ich faul geworden?

Ganz klares Nein.

Damals hatte ich, wenn es gut lief, zwei bis drei Workshops pro Woche. Der Rest der Zeit verteilte sich auf meine Arbeit in Schulen und meine eigene Kunst.

Heute sind es vier, fünf, manchmal sogar sechs Kurse pro Woche. Der übrige Wochenanteil ist ähnlich geblieben.
Im letzten Jahr habe ich trotzdem immer wieder versucht, genauso produktiv zu sein wie früher – mit dem Ergebnis, dass ich mich mehr als einmal kreativ ausgebrannt gefühlt habe.

Und ja, ich weiß: Das ist Jammern auf hohem Niveau.
Ich bin unglaublich dankbar dafür, wie sich meine Kurse entwickelt haben. Dafür, dass ich so viele Menschen dabei begleiten darf, wieder kreativ zu werden. Das erfüllt mich sehr.


Aber die Woche hat nun mal nur sieben Tage

Sieben Tage à 24 Stunden.
Dazwischen schlafen, ausruhen, leben – und die kreativen Hirnzellen wollen auch geladen werden. Und irgendwann ist so eine innere Batterie einfach leer.
Ja, auch meine.

Unterm Strich bleibt also nicht mehr die gleiche Zeit zum eigenen Malen.
Letztes Jahr habe ich mir das oft vorgeworfen. War frustriert, wenn ich Zeit gehabt hätte, aber keine Idee kam.
Im Rückblick denke ich: Was für ein Unsinn.


Ein neuer Umgang mit meinem eigenen Anspruch

Über den Jahreswechsel habe ich viel darüber nachgedacht, wie ich damit umgehen will.
Wie ich diesen gemeinen Anspruch an mich selbst loswerden kann – den, der mich eher stagnieren lässt als wachsen.

Meine Lösung ist überraschend simpel:
Ich male fast täglich kleine 30-Minuten-Bilder im Skizzenbuch, wenn es die Zeit zulässt. Manche davon landen sogar auf YouTube.

Das gibt mir die Sicherheit:
Ich bin noch kreativ.
Meine kreativen Hirnzellen sind aktiv.
Und ab und zu entsteht daraus sogar ein Bild, das später seinen Weg auf die Leinwand findet.

Es gibt weniger Output – aber dafür steckt mein ganzes Herz darin.




Der falsch verstandene Produktivitätsanspruch

Ich glaube, dieser falsch verstandene Produktivitätsanspruch ist etwas, das viele Selbstständige kennen.
Ich habe als Maler angefangen. Und auch wenn ich die organische Entwicklung mitgegangen bin, dass meine Kursarbeit heute den Schwerpunkt bildet, stolpere ich immer wieder über dieselbe Sehnsucht: Eigentlich müsste ich doch mehr malen.

Und zack – übernimmt wieder der Anspruch.




Meine Challenge für dieses Jahr

In diesen Momenten liebevoll mit mir selbst zu sein.
Anzuerkennen, was ich alles schaffe.
Und den Flow zu genießen, der mich überhaupt erst hierher gebracht hat.




Vielleicht kennst du diesen inneren Giftzwerg ja auch.
Dann ist dieser Text vielleicht auch eine Einladung an dich:
Weniger messen. Mehr fühlen. Und deiner Kreativität wieder ein bisschen zu vertrauen.