Ricardo Schwarz - Auftragsmalerei - Kreativworkshops & Originalkunst vom Künstler
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Über meinen Qualitätsanspruch – und warum ich manchmal darüber stolpere

Neulich bin ich mal wieder über mich selbst gestolpert.
Genauer gesagt: über meinen eigenen Qualitätsanspruch im Umgang mit Kunden und Partnern. Der scheint – zumindest im Vergleich zu dem, was ich in manchen größeren Strukturen erlebe – doch recht hoch zu sein.

Auslöser war eine Anfrage eines Onlineportals. Man bot mir an, einen Expertenartikel zu schreiben. Frei nach dem Motto: Wenn du Lust hast.
Klang erst mal gut. Also fragte ich nach, wie das Ganze ablaufen soll – und ob es Themen gäbe, die wirklich aus meiner Expertise heraus interessant wären.

Die Antwort hat mich ehrlich gesagt ziemlich vor den Kopf gestoßen.

Mir wurde ein Bastel-Thema vorgeschlagen, das so gar nichts mit mir, meiner Arbeit oder meiner fachlichen Ausrichtung zu tun hatte. Ein Thema, das irgendwo auf einer allgemeinen Themenliste stand, vermutlich gerade „im Trend“ war – aber völlig losgelöst von dem, wofür ich stehe.

Ich habe vermutlich etwas grummeliger reagiert, als nötig gewesen wäre. Und trotzdem hat mich die Situation noch eine ganze Weile beschäftigt. Nicht aus Ärger auf die Person am anderen Ende des Mailpostfachs – denn dort sitzt ja auch einfach nur jemand, der seine Arbeit macht. Sondern weil ich verstehen wollte, was mich daran eigentlich so frustriert.

Irgendwann wurde mir klar, worum es mir wirklich ging.

Wenn ich mir vorstelle, ich würde meinen Mitarbeitenden eine ähnliche Aufgabe geben – etwa:
„Hier sind ausgewählte Künstler:innen aus unserem Portfolio, sie sollen eventuell einen Expertenartikel für unser Magazin schreiben“ –
dann würde ich ihnen nicht einfach irgendeine Themenliste hinwerfen.

Ich würde zumindest eine kleine Stichpunktliste mitgeben:
Mögliche Themen, zu denen diese Person tatsächlich etwas zu sagen hat. Zwei Vorschläge würden schon reichen. Oder ich würde das Erstellen dieser Liste bewusst delegieren – aber mit dem klaren Auftrag, sich mit der Expertise der jeweiligen Person auseinanderzusetzen.

Nicht, weil das kompliziert ist.
Sondern weil mir Qualität wichtig ist.

Und genau das scheint nicht überall selbstverständlich zu sein.

Stattdessen werden Expert:innen manchmal Themen zugewiesen, die zufällig passen sollen, weil sie gerade gut klicken, gut verkaufen oder gut in den Redaktionsplan passen. Ein „random Hausfrauenbastelprojekt“, weil es irgendwo steht – nicht, weil es inhaltlich Sinn ergibt.

Ich finde das schade.
Denn eigentlich ließe sich so viel mehr aus dem Fachwissen und der Erfahrung dieser Menschen schöpfen. Inhalte könnten tiefer, ehrlicher und relevanter sein – statt austauschbar.

Natürlich weiß ich auch: In vielen größeren Firmen ist dieser Qualitätsanspruch längst dem Schnell-Geld-machen-Prinzip gewichen. Und ja, es funktioniert auch ohne dieses Maß an Sorgfalt. Leider.

Vielleicht muss ich an der einen oder anderen Stelle wirklich etwas toleranter werden.

Was für mich allerdings nicht zur Debatte steht: meinen eigenen Anspruch an meine Arbeit herunterzuschrauben. Denn genau dieser Anspruch ist der Grund, warum ich so viele treue Stammkund:innen habe. Weil ich arbeite, wie ich arbeite. Und weil mir Inhalte, Prozesse und Zusammenarbeit nicht egal sind.

Mich würde interessieren:
Seid ihr in eurem beruflichen Kontext auch schon mal über genau solche Situationen „gestolpert“?
Wo Qualität und Fachwissen eigentlich da wären – aber nicht genutzt werden?

Ich freue mich auf eure Gedanken dazu.