Künstler, Bürokratie und die Sache mit der Kreativzeit
Man könnte als Künstler so viele schöne kreative Projekte tun, wäre da nicht der ganze rechtliche Mumpitz, um den man sich nach Möglichkeit auch noch kümmern muss.
Manchmal, da wäre so ein Manager sicher ganz nützlich. Oder zumindest jemand, der einem den Rücken frei hält von solchen Dingen. Aber nein, selbst ist der Künstler!
Produktsicherheitsverordnung, Verpackungsgesetz, Widerrufsbutton...
Und wir können sicher sein, da kommt bestimmt noch mehr.
Wenn uns die EU als Selbstständigen in den letzten Jahren Geschenke macht, dann sind das leider viel zu oft neue Richtlinien sowie aufwendige Änderungen. Aller paar Monate kommt wieder etwas Neues um die Ecke.
Grundsätzlich wäre das im Einzelnen sicher nicht schlimm. Nur in der Menge ist es schon seit einer Weile wirklich belastend. Vor allem wenn, wie bei der neuesten Anpassung der Verpackungsverordnung, mal wieder kein Unterschied gemacht wird zwischen großen Konzernen und kleinen Unternehmen sowie Selbstständigen.
Immer wenn man denkt, jetzt ist man auf dem aktuellen Stand, dann kommt die nächste Information daher. Und leider gibt es genügend Menschen, die sich offenbar eine Freude daraus machen, besonders kleine Unternehmen abzumahnen, weil sie etwas falsch gemacht oder vergessen haben.
Ich habe mich in den letzten Tagen und Wochen wieder einmal in die aktuellen Änderungen eingelesen, mich informiert und geschaut, was ich wie umsetzen muss und kann. Was die einzelnen Dinge für mich überhaupt bedeuten.
Eigentlich hätte das Zeit sein können, die ich mit kreativer Arbeit verbracht hätte. Mit dem Malen an Bildern, Auftragsarbeiten oder neuen Ideen, die schon länger darauf warten, umgesetzt zu werden.
Wenn ich allerdings drei Stunden Rechtszeug gelesen und die Website angepasst habe, habe ich keine Energie beziehungsweise keine Nerven mehr zum Kreativsein.
Das Problem ist dabei nicht nur die Zeit. Die ist dann zwar weg, aber oft ist danach auch der Kopf einfach voll. Kreativität funktioniert zumindest bei mir nicht auf Knopfdruck. Nach mehreren Stunden Verordnungen, Richtlinien und Gesetzestexten fällt es mir schwer, mich anschließend noch an die Staffelei zu setzen.
Das Tragische ist, dass diese Regelungen oft einfach blind von großen Unternehmen 1 zu 1 auf uns kleine „Kräuter“ übertragen werden. Nur haben wir eben keine Rechtsabteilung, kein Compliance-Team und auch niemanden, der sich hauptberuflich um solche Dinge kümmert.
Wenn bei einem Konzern neue Vorgaben kommen, landet das auf dem Schreibtisch der zuständigen Mitarbeiter. Wenn bei einem Künstler neue Vorgaben kommen, landet das auf dem gleichen Schreibtisch, auf dem eigentlich gemalt, getöpfert, geschrieben oder unterrichtet werden sollte.
Inzwischen bin ich dank diverser Newsletter und Insta-Follows ganz gut im Bilde. Das geht allerdings nicht allen Kreativen so, und die werden dann holterdiepolter von solchen Neuerungen überrannt. Verunsichert ist man bei der Menge an Informationen so oder so.
Aber es nützt ja nichts, machen müssen wir das alles dennoch. Also geh ich mal wieder ins Backoffice und kümmere mich ...
Auch wenn ich die Zeit eigentlich lieber im Atelier verbringen würde.