Ricardo Schwarz - Kreativworkshops - Auftragsmalerei & Originalkunst vom Künstler
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Talent ist die bequemste Ausrede der Welt

„Du hast halt Talent.“

Es klingt wie ein Kompliment. Und meistens ist es auch so gemeint. Trotzdem zucke ich innerlich jedes Mal ein bisschen zusammen, wenn ich diesen Satz höre.

Nicht, weil ich mich nicht darüber freue, dass Menschen meine Arbeit mögen. Sondern weil in diesen vier Worten oft etwas mitschwingt, das viele gar nicht bemerken:

Die ganze Arbeit dahinter wird unsichtbar.

Als Künstler, Musiker oder Kreativer bekommt man diesen Satz ständig zu hören. Und oft klingt er beinahe so, als wäre einem das Können einfach in die Wiege gelegt worden. Als würde das Ergebnis mühelos entstehen.

Doch genau das ist es nicht.

Niemand steht morgens auf und kann plötzlich Geige spielen. Niemand wird geboren und malt sofort großartige Bilder. Und auch Mozart kam nicht auf die Welt und konnte fertige Kompositionen schreiben.

Natürlich gibt es Menschen, die bestimmte Voraussetzungen mitbringen. Ein gutes Gehör. Ein besseres Gefühl für Farben. Ein schnelleres Verständnis für Zusammenhänge.

Aber all das ersetzt kein Handwerk.

Mozart musste lernen. Künstler müssen lernen. Musiker müssen lernen. Und jeder Kreative verbringt unzählige Stunden damit, Dinge auszuprobieren, Fehler zu machen, zu scheitern und wieder von vorne anzufangen.

Genau dieser Teil wird oft übersehen.

Wenn jemand sagt: „Du hast halt Talent“, dann verschwinden plötzlich die Jahre der Übung, die Frustration, die Fehlversuche und die Zeit, die investiert wurde.

Dabei ist genau das der eigentliche Grund, warum Menschen irgendwann gut in etwas werden.

Ich habe einmal einen Satz gehört, der mir bis heute im Kopf geblieben ist:

Talent bringt dich vielleicht zehn Meter näher an die Ziellinie. Laufen musst du trotzdem selbst.

Und genau so empfinde ich es.

Ja, Talent kann helfen. Es kann den Einstieg erleichtern. Vielleicht lernt jemand etwas schneller oder tut sich anfangs leichter.

Aber ohne Training verkümmert Talent wie ein Muskel.

Wer nie übt, wird trotz Talent nicht weit kommen.

Und wer fleißig trainiert, kann oft Menschen überholen, die sich allein auf ihre Begabung verlassen.

Deshalb glaube ich, dass wir manchmal das Wort Talent benutzen, weil es bequemer ist.

Wenn jemand etwas besonders gut kann, ist es leichter zu sagen: „Der hat eben Talent.“

Dann müssen wir uns nicht damit beschäftigen, wie viel Zeit, Energie und Durchhaltevermögen tatsächlich dahinterstecken.

Und das ist gar kein Vorwurf.

Wir Menschen suchen gerne nach Erklärungen. Auch nach Ausreden. Das macht jeder von uns manchmal.

Die Wahrheit ist oft viel einfacher:

Manche Menschen haben sich die Zeit genommen.

Oft haben sie sich diese Zeit sogar erkämpft. Zwischen Arbeit, Familie, Verpflichtungen und all den anderen Dingen, die das Leben mit sich bringt.

Sie haben ihre Fähigkeiten trainiert.

Immer wieder.

Vielleicht sollten wir uns genau dieses Bild merken, wenn wir das nächste Mal vor einem Bild stehen, einem Musiker zuhören oder die Arbeit eines anderen Menschen bewundern.

Nicht: „Der hat halt Talent.“

Sondern:

„Da hat jemand viele Stunden investiert, um so gut zu werden.“

Denn Talent macht vielleicht zehn Prozent aus.

Der Rest ist Übung.

Wie seht ihr das? Welche Rolle spielt Talent eurer Meinung nach wirklich?