Bilder, die man hören kann
Das Trommeln des Regens an der Fensterscheibe. Das Geräusch, wenn man mit Anlauf in eine Pfütze springt. Das Rascheln von Laub unter den Füßen. Oder das Rauschen der Wellen, begleitet vom lauten Geschrei der Möwen.
Hast du beim Lesen dieser Zeilen sofort bestimmte Geräusche im Ohr gehabt? Vielleicht sogar Bilder gesehen oder Erinnerungen gespürt?
Hörst du das Trommeln der Tropfen an der Scheibe?
Manche Klänge haben diese besondere Wirkung. Sie versetzen uns innerhalb von Sekunden in eine bestimmte Stimmung. Sie holen Erinnerungen hervor, wecken Sehnsüchte oder lassen uns einen Moment noch einmal erleben.
In den letzten Jahren habe ich eine kleine Leidenschaft dafür entwickelt, genau solche Momente zu malen. Bilder zu schaffen, die Geräusche im Kopf entstehen lassen. Motive, bei denen man nicht nur sieht, was dargestellt ist, sondern sofort hört, was gerade passiert.
Ganz so einfach ist das allerdings nicht. Ein solches Bild muss nicht nur handwerklich gut gemalt sein. Es braucht auch den richtigen Augenblick. Den Moment, der eine Erinnerung auslöst und den Betrachter unmittelbar in die Szene hineinzieht.
Hast du das Platschen gehört?
Oft lese ich, Menschen kaufen Kunstwerke, die sie fühlen können. Vielleicht ist das Hören eine Brücke zu genau diesem Gefühl.
Wenn ich meine Möwenbilder male, höre ich förmlich den Wind, der über die Küste fegt. Ich rieche das Meer und höre das Kreischen der Vögel über den Wellen.
Kannst du die Möwen und das Meer hören?
Und nachdem ich mein letztes Regenbild gemalt hatte, habe ich mir ein Paar gelbe Gummistiefel gekauft, damit ich mal wieder in eine Pfütze springen kann.
Gemacht habe ich es bis heute noch nicht.
Aber allein die Tatsache, dass ein Bild mich auf diese Idee gebracht hat, sagt vielleicht schon alles.