KI ist nicht dein Feind – aber sie zeigt dir, wo du stehst
„KI zerstört die Kunst.“
Diesen Satz liest man gerade überall. Und ganz ehrlich: so einfach ist es nicht.
Letzte Woche durfte ich für die Plattform KunstOnline einen Workshop geben.
Titel: „KI – Werkzeug vs. Feindbild“.
Ich bin mit einer klaren Erwartung reingegangen: Skepsis. Ablehnung. Vielleicht sogar Angst.
Das ist schließlich das Bild, das gerade überall vermittelt wird.
Bild KI-Generiert (ChatGpt
Die Realität ist differenzierter
Was ich erlebt habe, war etwas anderes.
Ruhiger.
Reflektierter.
Und vor allem: näher an der Realität.
Viele der teilnehmenden Künstler arbeiten längst mit KI, nur nicht so, wie man es erwarten würde.
KI passiert nicht im Kunstwerk – sondern davor
Es ging kaum um Bildgeneratoren.
Stattdessen wurde KI vor allem hier genutzt:
beim Schreiben und Überarbeiten von Texten
für Social Media
für organisatorische Aufgaben
für einfache Bildbearbeitung
Also genau dort, wo sie eines ist: ein Werkzeug, das Zeit freischaufelt. Und Zeit ist für Künstler kein Luxus.
Zeit ist Voraussetzung.
Die eigentliche Bewegung passiert leise
Spannend wurde es, als es um die eigene Arbeit ging.
Viele haben bereits angefangen zu experimentieren:
KI als Ideengeber
als Gegenüber im Prozess
für den Feinschliff
Nicht als Ersatz, Sondern als Erweiterung.
Und genau hier entscheidet sich, wohin die Reise geht.
Ich lag mit meiner Wahrnehmung daneben
Ich gebe zu: In letzter Zeit hatte ich oft das Gefühl, mit meiner Haltung ziemlich allein zu sein. Mit der Idee, dass KI ein sinnvolles Werkzeug sein kann – vor allem in Bereichen, die nicht direkt das künstlerische Schaffen betreffen. Der Workshop hat das relativiert.
Vielleicht lag es nicht an „den Künstlern“. Vielleicht war ich einfach in der falschen Bubble unterwegs.
Während wir diskutieren, entsteht Realität
Im Zuge meiner Vorbereitung bin ich nochmal tiefer eingetaucht. Und dabei wurde mir klar, wie viel sich gerade pro Künstler entwickelt.
Ein Tool wie Have I Been Trained ermöglicht es bereits, nachzuvollziehen,
ob eigene Werke für das Training von KI genutzt wurden.
Das ist noch nicht perfekt.
Aber es ist ein Anfang von Kontrolle – und perspektivisch vielleicht sogar von neuen Lizenzmodellen.
Auch Tools wie Nightshade zeigen, wohin es gehen kann. Die Entwicklung läuft nicht nur an Künstlern vorbei.
Sie beginnt, sie einzubeziehen.
Die falsche Frage lenkt ab
Nach diesem Workshop ist für mich klar: Die Frage ist nicht, ob KI Künstler ersetzen wird.
Die Frage ist auch nicht, ob wir sie gut oder schlecht finden.
Die eigentliche Frage ist: Wie bewusst gehen wir damit um?
Und die ist unbequemer, als sie klingt
Denn sie bedeutet:
Nutzt du KI als Werkzeug?
Lehnst du sie reflexhaft ab?
Oder setzt du dich ernsthaft damit auseinander?
Die Technologie wird bleiben.
Die spannendere Frage ist, wer lernt, sie sinnvoll zu nutzen – und wer sich ihr entzieht.