Ricardo Schwarz - Kreativworkshops - Auftragsmalerei & Originalkunst vom Künstler
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Rosa ist nicht Pink Eine kleine Beobachtung aus dem Kursalltag

Neulich in einem meiner Workshops sagt eine Teilnehmerin:
„Ich hätte gern noch ein bisschen Pink.“

Sie greift zur Farbe.
Ich schaue hin und denke: Das ist eindeutig Rosa.

Mischpalette mit Farbklecksen in Magenta, Pink, Weiß, Rosa und Blau

Solche Momente passieren in meinen Kursen erstaunlich oft. Erwachsene sagen „Rosa“ und meinen eigentlich Pink – oder sie sagen „Pink“ und zeigen auf etwas, das für mich ganz klar Rosa ist. Und jedes Mal muss ich innerlich ein wenig schmunzeln.

Nicht, weil es so schlimm wäre. Sondern weil es zeigt, wie unterschiedlich wir Farben wahrnehmen.

Denn streng genommen sind Rosa und Pink tatsächlich zwei verschiedene Farben.

Rosa entsteht klassisch aus Rot und Weiß. Eine aufgehellte, weichere Variante von Rot.
Pink dagegen ist meist kräftiger und gesättigter, oft mit einem leichten Magenta-Anteil. Es wirkt leuchtender, manchmal fast ein bisschen elektrisch.

Im Alltag verschwimmt dieser Unterschied allerdings häufig. Viele Menschen benutzen „Pink“ einfach als Sammelbegriff für alles, was irgendwie hellrot oder rosafarben ist. Vermutlich, weil das Wort moderner klingt. Oder weil wir Farben heute oft über Mode, Werbung oder Produktnamen kennenlernen.

Interessant wird es dann im Atelier.

Denn wenn Teilnehmer anfangen, Farben selbst zu mischen, verändert sich plötzlich etwas. Statt zu sagen„Ich brauche Pink“, sagen sie irgendwann Dinge wie:

„Da ist noch zu viel Rot drin.“
„Das müsste ein bisschen heller werden.“
„Vielleicht noch einen Hauch Weiß.“

Plötzlich geht es nicht mehr um Farbnamen, sondern darum, was eine Farbe eigentlich ausmacht.

Für mich sind genau das die schönen Momente in einem Workshop. Wenn Menschen anfangen, genauer hinzusehen. Wenn sie merken, dass Farben nicht einfach nur „da“ sind, sondern entstehen – aus Mischungen, aus Nuancen, aus kleinen Veränderungen.

Vielleicht ist das überhaupt eine der wichtigsten Übungen im kreativen Arbeiten: lernen, wirklich hinzuschauen.

Und manchmal beginnt das mit einer ganz einfachen Frage:

Ist das eigentlich Rosa… oder doch Pink?