Ricardo Schwarz - Kreativworkshops - Auftragsmalerei & Originalkunst vom Künstler
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Übermalen, Verwerfen, Neu Beginnen

„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“

Ein schöner Spruch. Und tatsächlich gibt es diese Momente.

Eine Idee taucht auf, plötzlich ist da ein Bild vor dem inneren Auge. Man spürt Neugier, Vorfreude und diesen kleinen kreativen Funken, der einen an die Leinwand zieht.

Doch wenn ich ehrlich bin, macht dieser Zauber nur einen sehr kleinen Teil des kreativen Prozesses aus.

Denn die eigentliche Arbeit beginnt erst danach.

Zwischen der ersten Idee und dem fertigen Bild liegen oft Zweifel, Umwege und Entscheidungen. Es wird ausprobiert, verworfen, übermalt und neu begonnen. Nur weil ich eine Idee habe, weiß ich noch lange nicht, ob daraus tatsächlich ein gutes Bild wird.

Das ist etwas, das man als Betrachter meist nicht sieht.

Man sieht das fertige Werk an der Wand. Nicht die vielen Wege, die ins Nichts geführt haben. Nicht die Bildideen, die sich als Sackgasse erwiesen. Nicht die Stunden des Suchens, in denen noch völlig unklar war, wohin die Reise überhaupt geht.

Vielleicht machen Künstler deshalb so vieles mit sich selbst aus. Wir denken Ideen auseinander, stellen sie infrage und setzen sie wieder neu zusammen. Nicht, weil wir kompliziert sein wollen, sondern weil Kreativität oft genau so funktioniert.

Manchmal frage ich mich, wie spannend es wäre, meine Bilder eines Tages zu röntgen.

Nicht nur deshalb, weil ich alte Leinwände gerne wiederverwende, wenn ich das Gefühl habe, dass ein Bild seinen Platz in meiner heutigen Lebenswelt verloren hat. Sondern auch, weil dann sichtbar würde, was normalerweise verborgen bleibt: die vielen Schichten eines kreativen Prozesses.

Unter manchen Bildern würden sich wahrscheinlich mehrere andere Bilder verstecken. Veränderte Kompositionen, verworfene Ideen, übermalte Fehler und spontane Richtungswechsel.

Eigentlich wäre das eine ziemlich ehrliche Dokumentation dessen, wie Kunst entsteht.

Viele meiner Kursteilnehmer sind zunächst frustriert, wenn sie eine Stelle übermalen müssen, die nicht gelungen ist. Manche schämen sich sogar dafür.

Ich hatte mich an dem Bild einfach satt gesehen, jetzt darf darauf etwas neues wachsen

Dann sage ich oft:

„Frag lieber nicht, wie oft ich das bei meinen eigenen Bildern mache.“

Denn genau das gehört dazu.

Ein Bild entsteht selten geradlinig. Kreativität ist kein sauberer Weg von der Idee zum Ergebnis. Sie ist eher ein Dialog mit dem, was entsteht. Man reagiert auf das Bild, trifft neue Entscheidungen, verwirft alte und entdeckt unterwegs Dinge, die man am Anfang noch gar nicht geplant hatte.

Manchmal wird aus einer ursprünglichen Idee etwas völlig anderes.

Und manchmal entsteht gerade dadurch das bessere Bild.

Deshalb glaube ich inzwischen, dass der eigentliche Wert kreativer Arbeit nicht allein im fertigen Ergebnis liegt. Natürlich freue ich mich, wenn am Ende ein Bild entsteht, mit dem ich zufrieden bin.

Ich hatte es vorgezeichnet, inzwischen hab ich die Ganze Idee verworfen.

Aber genauso wichtig ist der Weg dorthin.

Die Fragen, die Irrwege, die Überraschungen und auch die gescheiterten Versuche gehören dazu. Sie sind kein Hindernis des kreativen Prozesses – sie sind der kreative Prozess.

Und vielleicht steckt genau darin die Wahrheit eines anderen bekannten Spruchs:

Der Weg ist das Ziel.

So abgedroschen das klingen mag – unter den Farbschichten meiner Bilder findet sich immer wieder ein Beweis dafür.