Ricardo Schwarz - Kreativworkshops - Auftragsmalerei & Originalkunst vom Künstler
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Wo sind die Türgriffe? Mein Besuch der Diplomausstellung 2026 an der HfBK Dresden

Ich versuche, mir die Diplomausstellung der Hochschule für Bildende Künste Dresden jedes Jahr anzuschauen. Nicht, weil ich alles verstehen oder alles gut finden muss, sondern weil ich als Künstler, der seit vielen Jahren in Dresden arbeitet und unterrichtet, einfach wissen möchte, was an der Kunsthochschule passiert. Was beschäftigt die jungen Künstlerinnen und Künstler? Was kann mich inspirieren?

Auch in diesem Jahr bin ich deshalb durch die Ausstellung gegangen. Und wieder einmal bin ich mit einem ziemlich betretenen Gefühl nach Hause gegangen.

Nicht, weil ich zu wenig Kunst gesehen hätte. Sondern weil ich so wenig Zugang gefunden habe.


Kunst muss sich nicht erklären. Aber sie darf eine Tür öffnen.

Ich habe überhaupt kein Problem damit, wenn Kunst sperrig, rätselhaft oder herausfordernd ist. Ein Kunstwerk muss mir nicht erklären, was ich darüber denken soll.

Aber gerade bei den vielen abstrakten und konzeptionellen Arbeiten hätte ich mir in diesem Jahr wieder etwas sehr Einfaches gewünscht: einen Titel. Oder zwei, drei Sätze, die mir einen kleinen Zugang ermöglichen.

Denn wir sprechen bei Kunst nicht alle dieselbe Sprache.

Ein Titel kann eine Frage sein, ein Hinweis, ein Gedanke. Er muss meine Wahrnehmung nicht festlegen – er kann sie erweitern.

Stattdessen standen erstaunlich viele Arbeiten einfach ohne Titel im Raum. Natürlich darf „Ohne Titel“ eine bewusste künstlerische Entscheidung sein. Aber irgendwann frage ich mich doch, ob hier nicht manchmal einfach eine Sprache für das gefunden werden müsste, was da entstanden ist.

Denn ich glaube nicht, dass Kunst sich dem Betrachter anbiedern muss.

Aber sie darf ihm entgegenkommen.


Wo sind die Türgriffe?

Vielleicht lässt sich mein Eindruck am besten mit einem Bild beschreiben:

Ich verlange nicht, dass man mir die Tür öffnet und mich durch die Ausstellung trägt. Ich vermisse einfach die Türgriffe.

Ein Titel. Ein kurzer Text. Eine Frage. Ein Gedanke. Irgendetwas, an dem sich die eigene Wahrnehmung reiben kann.

Von all den Arbeiten gab es vielleicht eine Handvoll, bei denen ich wirklich länger geblieben bin. Arbeiten, die Präsenz hatten, mich hineingezogen oder zum Nachdenken gebracht haben.

Bei vielen anderen war ich irgendwann einfach nur noch ratlos oder überfordert. Und irgendwann dachte ich: Ich gehe jetzt lieber aus diesem Raum.


Und dann kam der Ausstellungskatalog

Im Anschluss habe ich mir den Katalog gekauft – in der Hoffnung, einige der Arbeiten im Nachhinein besser einordnen zu können.

Tatsächlich gibt er interessante Einblicke in die Künstlerinnen und Künstler. Gleichzeitig hatte ich aber immer wieder das Gefühl, eine andere Ausstellung zu betrachten: Arbeiten, die im Katalog auftauchen, waren teilweise gar nicht in der Ausstellung zu sehen. Andere Arbeiten, die mir dort aufgefallen waren, fehlten völlig.

Damit ging leider genau das verloren, was ich mir gewünscht hätte: dieses „Ach, das war dieses Bild!“ – und anschließend die Möglichkeit, noch etwas darüber zu erfahren.

Vielleicht ist das also gar keine Frage von „zu wenig verstanden“ oder „nicht akademisch genug“.

Vielleicht wünsche ich mir einfach eine Ausstellung, die mir die Möglichkeit gibt, mich auf ihre Kunst einzulassen. Bei dieser Ausstellung hatte ich eher den Eindruck, Sie dreht sich nur um sich selbst.

Mir fehlte insgesamt nicht mehr Erklärung. Nur ein paar Türgriffe.