Was in meinen Malkursen wirklich passiert (und warum es nie nur ums Malen geht)
Wer noch nie bei einem Kreativkurs war, stellt sich das oft ganz einfach vor: Ein paar Menschen sitzen an Tischen, malen ein Bild, gehen wieder nach Hause. Aber so läuft es in meinen Malkursen in Dresden selten.
Unabhängig vom Thema oder Format ist jede Gruppe bunt gemischt. Meistens sind mehr Frauen dabei als Männer, aber sonst kommt alles zusammen: Menschen, die einfach mal etwas Kreatives ausprobieren wollen. Teilnehmer, die den Kurs geschenkt bekommen haben und mit Freunden oder Familie kommen. Und immer wieder vertraute Gesichter, die schon mehrere Kurse besucht haben und gern wiederkommen.
Was fast alle gemeinsam haben: Zu Beginn sagen viele erstmal, dass sie eigentlich gar nicht malen können.
„Na, mal sehen, wie das bei mir nachher aussieht.“
„Ich bin gespannt, wie ich das hinkriegen soll.“
„Na mal sehen, was das wird.“
Diese Unsicherheit gehört fast schon dazu.
Deshalb beginnt jeder Kurs bei mir nicht mit Leistung, sondern mit Entspannung. Ich stelle mich kurz vor, erkläre locker, was wir machen werden, und sage meist auch: Bei mir hat ein Kurs immer etwas von betreutem Kreativsein. Ich mache alles vor, man darf alles fragen – auch mehrfach – und Noten gibt es keine. Höchstens auf die Haltung.
Dann werden Leinwände ausgepackt, Farben verteilt, Schürzen angezogen. Ein kleines Rundum-sorglos-Paket. Und oft merkt man schon in diesem Moment, wie die erste Nervosität nachlässt.
Natürlich gibt es dann noch diesen berühmten Moment vor dem ersten Strich auf der leeren Leinwand.
Aber sobald wir gemeinsam anfangen, löst sich etwas. Die Anspannung fällt Stück für Stück ab. Aus Unsicherheit wird Neugier. Aus Grübeln wird Machen. Und irgendwann sind die Teilnehmer einfach drin.
Zwischen den Arbeitsschritten erzähle ich aus meinem Künstleralltag, von kuriosen Erfahrungen aus Kursen oder von Dingen, die ich selbst beim Malen gelernt habe. Daraus entstehen Gespräche, Lachen, Austausch. Menschen kommen miteinander ins Gespräch, die sich vorher nicht kannten.
Und ganz nebenbei entsteht ein Bild.
Spätestens zur Hälfte des Kurses höre ich oft Sätze wie:
„Das ist ja total entspannend.“
„Das macht richtig Spaß.“
„Ich hätte nicht gedacht, dass ich das kann.“
Wenn dann mal ein vermeintlicher Fehler passiert, bricht keine Panik aus. Ich zeige, wie man etwas korrigieren kann – oder wie aus einem Fehler plötzlich etwas Spannendes entsteht. Auch das gehört dazu.
Am Ende staunen viele, wie schnell die Zeit vergangen ist. Sie schauen auf ihr Bild, sind überrascht, was sie geschafft haben, und gehen oft entspannter nach Hause, als sie gekommen sind.
Und nicht selten kommt beim Gehen schon die Frage:
„Was ist denn eigentlich dein nächster Kurs?“
Was mich daran jedes Mal freut: In etwa zwei Stunden entsteht oft etwas viel Größeres als nur ein Bild. Viele finden in dieser Zeit wieder einen Zugang zu ihrer eigenen Kreativität.
Und manchmal ist genau das längst überfällig.