Wenn Dinge Geschichten tragen – ein besonderer Moment im Kintsugi Workshop
Manche Workshops bleiben länger im Gedächtnis als andere. Letzte Woche war so ein Tag.
In meinem Kintsugi-Workshop entstand wieder einer dieser besonderen Momente, die auf stille Weise zeigen, worum es bei dieser Technik eigentlich geht.
Ein Teilnehmer brachte ein Erbstück seines Großvaters mit: eine Untertasse aus Meißner Porzellan. Ein Gegenstand mit persönlichem Wert, mit Erinnerungen – und ganz nebenbei auch mit materiellem Wert.
Er erzählte mir, wie er zu dem Stück gekommen war und wie traurig es ihn machte, dass es schon bald beschädigt wurde. Die Idee seiner Freundin, gemeinsam einen Kintsugi-Workshop zu besuchen, kam daher genau zum richtigen Zeitpunkt.
Zunächst hoffte er, die Untertasse selbst mit Gold reparieren zu können. Doch im Kurs merkte er schnell, dass es gar nicht so leicht ist, direkt beim ersten Versuch ein schönes Ergebnis zu erzielen.
Schließlich legte er mir das Erbstück mit der Bitte in die Hände, es für ihn zu reparieren.
Natürlich habe ich das sehr gern getan. Und ja – ich war auch ein wenig stolz darauf, dass er mir dieses besondere Stück anvertraute.
Denn hier ging es nicht einfach nur darum, etwas zu kleben oder einen Schaden zu beheben. Es ging darum, die Geschichte dieses Objekts zu bewahren und sie in einer feinen goldenen Narbe sichtbar weiterleben zu lassen.
Vielleicht ist das das Schönste am Kintsugi: Nicht alles muss wieder werden wie neu. Manches darf mit seinen Spuren weiterleben – und gerade dadurch noch wertvoller werden.