Zwischen Feedback und Bewertung liegt ein großer Unterschied
Manchmal erzählen mir Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach meinen Workshops von ihren Erfahrungen in anderen Kreativkursen. Und manchmal läuft es mir dabei ehrlich gesagt kalt den Rücken herunter.
Neulich hatte ich wieder so ein Gespräch. Es hat mich einmal mehr an den Gedanken erinnert, aus dem damals auch mein Buch How to Workshop entstanden ist.
Denn wir, die Kreativität vermitteln – egal ob als Kursleiter, Dozent oder Workshop-Anleiter – tragen eine große Verantwortung.
Wir bringen Menschen nicht einfach eine Technik bei. Wir begleiten sie in einem Moment, in dem sie sich öffnen.
Viele kommen voller Vorfreude in einen Kreativkurs. Andere bringen Unsicherheiten mit. Manche haben seit ihrer Schulzeit keinen Pinsel mehr in der Hand gehabt – nicht, weil sie keine Lust hatten, sondern weil ihnen irgendwann vermittelt wurde, sie seien eben "nicht kreativ". Sie tragen noch immer Sätze mit sich herum wie: „Du kannst nicht malen.“ oder „Das sieht doch gar nicht gut aus.“
Und genau diese Menschen brauchen einen Ort, an dem sie sich sicher fühlen.
Umso trauriger finde ich es, wenn Teilnehmende mir erzählen, dass sie in Kursen Aussagen gehört haben wie:
"Bist du sicher, dass du das so machen willst?"
"Also ich finde, das sieht gar nicht schön aus."
"Das hätte man viel besser machen können."
Natürlich dürfen wir als Kursleiter fachliche Impulse geben. Dafür sind wir schließlich da. Aber wie wir etwas sagen, macht den entscheidenden Unterschied.
Statt zu urteilen, könnte man zum Beispiel sagen:
"Ich könnte mir vorstellen, dass eine andere Farbe hier auch spannend wirken würde. Ich persönlich hätte es wahrscheinlich anders ausprobiert."
Der Inhalt ist fast derselbe.
Die Wirkung ist eine völlig andere.
Im ersten Fall bewerte ich das Bild eines Menschen. Im zweiten teile ich lediglich meine eigene Sichtweise und lasse ihm die Freiheit, selbst zu entscheiden.
Genau so arbeite ich auch in meinen Workshops.
Ich sage meinen Teilnehmern oft:
Nur weil ich etwas anders machen würde, heißt das noch lange nicht, dass meine Lösung die richtige für dein Bild ist. Der Künstler in diesem Moment bist du. Wenn dir dein Bild gefällt, dann ist das das Wichtigste. Ich bin hier, um dir Möglichkeiten zu zeigen – nicht, um dir in dein Kunstwerk hineinzureden.
Ich möchte Menschen dabei unterstützen, aus ihren Ideen das Beste herauszuholen – nicht aus meinen.
Denn Kreativität braucht keinen Perfektionismus.
Sie braucht Vertrauen.
Neugier.
Mut.
Und manchmal einfach jemanden, der sagt: „Probier's aus. Mal sehen, was passiert.“
Ein guter Workshop endet für mich deshalb auch nicht mit dem perfekten Bild.
Er endet mit einem Menschen, der nach Hause geht und Lust hat, weiter kreativ zu sein.
Genau deshalb sollten wir mit unseren Worten so sorgfältig umgehen. Denn sie können Menschen ermutigen, ihren eigenen Weg zu gehen – oder sie im schlimmsten Fall davon überzeugen, dass Kreativität nichts für sie sei.
Und das wäre unglaublich schade.
Mich interessiert deshalb eure Erfahrung:
Welche Sätze sind euch in Kreativkursen besonders in Erinnerung geblieben?
Gab es Kursleiter oder Dozenten, die euch nachhaltig motiviert haben? Oder leider auch Momente, in denen ihr euch eher bewertet als begleitet gefühlt habt?
Schreibt es mir gerne in die Kommentare. Ich freue mich darauf, eure Geschichten zu lesen.