Ricardo Schwarz - Kreativworkshops - Auftragsmalerei & Originalkunst vom Künstler
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Fast 16 Jahre Selbstständigkeit – und irgendwann verändert sich die Angst

Fast 16 Jahre Selbstständigkeit liegen inzwischen hinter mir.

Wenn ich das laut ausspreche, zucke ich innerlich jedes Mal kurz zusammen. Zum einen, weil ich mich frage, wo diese Zeit eigentlich hin ist. Zum anderen aber auch, weil ich weiß, was alles in diesen Jahren passiert ist.

Denn machen wir uns nichts vor: Selbstständigkeit klingt von außen oft freier und romantischer, als sie sich manchmal anfühlt.

Es gab in diesen Jahren öfter Momente, in denen ich kurz davor war zu sagen: „Vielleicht reicht’s jetzt.“

Corona war zum Beispiel so ein Moment.

Und ich glaube, ich muss niemandem mehr erklären, was diese Zeit gerade für uns Künstler bedeutet hat. Für mich kam damals noch dazu, dass ich gerade dabei war, meine Kurse massiv auszubauen. Ich war mitten im Umbau, voller Ideen, voller Motivation.Und dann wurde plötzlich alles stillgelegt.

Kaum hatte sich das halbwegs beruhigt, kam direkt die nächste Dauerkrise.
Ukraine, wirtschaftliche Unsicherheit, dieses ständige Gefühl, dass alles irgendwie nur noch mit angezogener Handbremse läuft.

Und ehrlich gesagt glaube ich nicht mal, dass wir uns davon wirklich erholt haben.
Wir haben uns nur daran gewöhnt.

Letztes Jahr kam dann noch der Kauf meines Ateliers dazu. Ein riesiger Schritt, bei dem ich anfangs absolut keine Ahnung hatte, ob das alles gut ausgeht. Kurz danach wurde Ingolf für mehrere Monate krank.

Plötzlich war da nicht mehr nur meine eigene Selbstständigkeit, um die ich mich kümmern musste.

Also hab ich funktioniert. Irgendwie.

Mit dem Ergebnis, dass ich irgendwann ziemlich ausgebrannt war.

Und nein – heute ist nicht plötzlich alles perfekt.

Manchmal reichen zehn Minuten Nachrichten, um wieder dieses diffuse Gefühl zu bekommen, dass Stabilität eigentlich nur eine sehr fragile Illusion ist. Das macht müde.

Trotzdem beschwere ich mich nicht.
Ich bin dankbar, dass meine Kurse weiterhin so gut angenommen werden. Wirklich.

Natürlich gab es immer wieder diese kurzen Momente, in denen ich dachte:

„Vielleicht ist das alles einfach zu anstrengend.“

Und trotzdem bin ich geblieben.

Nicht, weil ich besonders hart bin. Oder weil Aufgeben für mich „keine Option“ wäre.

Sondern weil ich irgendwann verstanden habe, dass Angst nie komplett verschwindet. Man lernt nur, anders mit ihr zu leben.

Und heute stehe ich an einem Punkt, den ich selbst ziemlich spannend finde:

Wenn mir morgen alles um die Ohren fliegen würde,
und ich – rein theoretisch – meine Selbstständigkeit aufgeben müsste……dann fände ich das natürlich traurig.

Aber es wäre trotzdem irgendwie okay.

Nicht, weil mir meine Arbeit egal ist. Ganz im Gegenteil.
Sondern weil ich inzwischen weiß, dass mein Wert nicht daran hängt, ob immer alles funktioniert.

Fast 16 Jahre lang habe ich aufgebaut, improvisiert, weitergemacht, Lösungen gefunden und Krisen überstanden.

Und vielleicht ist genau das am Ende die eigentliche Sicherheit.

Nicht die Vorstellung, dass nie wieder etwas schiefgeht.

Sondern das Vertrauen darauf, dass man auch damit umgehen kann, wenn es passiert.

Und nein – ich plane nicht aufzuhören. Aber mit diesem Gedanken Frieden geschlossen zu haben, nimmt unglaublich viel Druck.

Denn egal, was kommt: Die Sonne geht am nächsten Morgen trotzdem wieder auf.