Wann hast du zuletzt gemeinsam mit einem Menschen etwas Kreatives erschaffen?
Wie oft hast du als Kind gemeinsam mit deinen Eltern etwas Kreatives gemacht?
Und erinnerst du dich noch daran, wie sich das angefühlt hat?
Keine Sorge — ich möchte mit dieser Frage keine unangenehmen Erinnerungen aufwühlen.
Sie ist nur der Einstieg in einen Gedanken, der mich seit gestern beschäftigt.
Denn gestern fand in meinem Atelier das erste von zwei Eltern-Kind-Malprojekten statt, die ich gemeinsam mit dem Familien-Schulzentrum einer Förderschule umsetzen durfte.
Die Idee dahinter ist eigentlich ganz einfach:
Eltern und Kinder gemeinsam ins kreative Tun bringen.
Raum schaffen für echte Begegnung.
Für gemeinsame Erinnerungen.
Für etwas, das man nicht nur konsumiert, sondern miteinander erschafft.
Und natürlich auch für Freude.
Für Stolz auf das, was am Ende entsteht.
Denn selbstverständlich nehmen die Familien ihre Werke am Ende mit nach Hause.
Das Projekt ist ein wenig von kunsttherapeutischen Ansätzen inspiriert — allerdings stark vereinfacht und ohne therapeutischen Anspruch.
Im Mittelpunkt steht nicht „Leistung“, sondern Verbindung.
Die Familien arbeiten gemeinsam an mehreren Leinwänden gleichzeitig, die am Ende ein Gesamtbild ergeben sollen.
Und genau dort beginnt es schon spannend zu werden.
Denn plötzlich geht es nicht mehr nur darum, „sein eigenes Bild“ zu malen.
Es geht um Kommunikation.
Schon beim Auftragen der Strukturpaste müssen Entscheidungen gemeinsam getroffen werden:
Wie verlaufen die Übergänge?
Welche Formen verbinden die Leinwände?
Welche Farben passen zusammen?
Kinder fragen nach. (Oder manchmal auch nicht)
Eltern antworten.
Oder manchmal auch andersherum.
Die ersten Minuten sind oft vorsichtig.
Wie eigentlich immer, wenn Menschen etwas Neues ausprobieren.
Doch nach kurzer Zeit passiert etwas, das ich immer wieder faszinierend finde:
Die Kinder tauchen meist zuerst komplett ins kreative Tun ein — und ziehen die Erwachsenen langsam mit hinein.
Und plötzlich entstehen nicht nur Farben und Strukturen, sondern Gespräche.
Kinder fragen nach.
Eltern antworten.
Manchmal arbeitet auch Jeder für sich und die Grenzen verlaufen organisch.
Während gemeinsam gemalt wird, entsteht oft etwas, wofür im Alltag erstaunlich wenig Raum bleibt:
Gemeinsame Aufmerksamkeit.
Nicht zwischen Tür und Angel.
Nicht nebenbei.
Sondern wirklich miteinander.
Und wie so oft geschieht dabei ganz nebenbei noch etwas anderes:
Diese kleine, leise Form von Entspannung.
Das kreative Tun holt viele Menschen für einen Moment raus aus Gedanken, Stress und Alltag.
Man wird langsamer.
Präsenter.
Mehr im Moment.
Und am Ende verlassen nicht nur Eltern und Kinder gemeinsam den Kurs, die zusammen ein Kunstwerk geschaffen haben.
Sondern oft auch zwei Menschen, die sich in diesem kreativen Prozess ein kleines Stück neu begegnet sind.