Über Plattformen, Provisionen – und Selbstachtung
In den letzten Jahren habe ich meine Workshops über unterschiedliche Wege angeboten. Über meine eigene Website, über Empfehlungen, über Social Media – und auch über eine größere Vermittlungsplattform.
Das Modell ist simpel:
Ich liste meine Kurse, die Plattform sorgt für Reichweite. Kommt eine Buchung zustande, erhält sie eine Provision. Ein nachvollziehbares Geschäftsmodell.
Und ja – davon profitieren beide Seiten.
Was ich jedoch zunehmend beobachte:
Sobald etwas gut läuft, entsteht schnell der Wunsch nach „mehr“. Mehr Abwicklung über die Plattform. Mehr Nutzung interner Tools. Mehr Integration in deren System.
Das wird oft als Unterstützung verkauft.
Manchmal fühlt es sich eher nach schleichender Verschiebung an.
Ich bin seit vielen Jahren selbstständig. Meine Buchungsstruktur funktioniert. Meine Kurse sind gut besucht. Teilnehmer kommen wieder – häufig direkt. Nicht, weil ich jemanden „abziehe“, sondern weil gute Arbeit Wiederbuchungen erzeugt.
Ich brauche keine zusätzliche Infrastruktur, wenn meine eigene stabil ist.
Ich brauche keine Verkaufsimpulse, wenn meine Nachfrage organisch wächst.
Und genau da beginnt für mich der Unterschied zwischen Kooperation und Einflussnahme.
Eine Plattform lebt davon, Anbieter stärker an sich zu binden.
Ein selbstständiger Künstler lebt davon, unabhängig zu bleiben.
Beides ist legitim. Aber es ist nicht automatisch kompatibel.
Spannend wird es in dem Moment, in dem Zurückhaltung als mangelnde Kooperationsbereitschaft interpretiert wird. Wenn das bewusste Nicht-Nutzen zusätzlicher Tools als Defizit gelesen wird. Wenn unternehmerische Eigenständigkeit als Widerstand wirkt.
Da lohnt es sich, kurz innezuhalten.
Denn eine echte Partnerschaft auf Augenhöhe bedeutet für mich:
Man akzeptiert, dass der andere weiß, wie er sein Geschäft führt.
Ich bin derjenige, der die Räume vorbereitet.
-Der Materialien organisiert.
-Der die Energie hält.
-Der Verantwortung trägt.
- Der am Ende in die Gesichter schaut und sieht, ob es gelungen ist.
Provisionen sind kalkulierbar. Selbstachtung ist nicht verhandelbar.
Sichtbarkeit ist wertvoll. Unabhängigkeit ist wertvoller.
Und manchmal zeigt sich Professionalität nicht darin, jede Option mitzunehmen –
sondern darin, bewusst zu entscheiden, welche man nicht braucht.
Selbstständigkeit bedeutet nicht, alles allein zu machen.
Aber sie bedeutet, entscheiden zu dürfen, was man braucht – und was nicht.
Und diese Entscheidung treffe ich bewusst.